Eichner, Cornelia; Adler,Kerstin: ... und flechte mir Tränen ins Haar

Cornelia Eichner, Kerstin Adler

... und flechte mir Tränen ins Haar

Lyrische Gedanken-Bilder

...und flechte mir Tränen ins HaarWolf-Peter Schnetz:
Zu den Gedichten von Cornelia Eichner




In Leipzig, gegenüber dem Museum der bildenden Künste auf dem Weg zu Auerbachs Keller, steht am Straßenrand die berühmte Skulptur von Wolfgang Mattheuer: ,,Der Jahrhundertschritt'' als einprägsames Sinnbild für den Zeitenwechsel.
Aus einer viel zu großen Hose schält sich, wie aus dem Ei gepellt, ein schmaler Männerkopf. Ein gestreckter Arm und ein nacktes Bein zielen geradewegs in die Zukunft. Zurück bleiben eine geballte Faust und ein Militärstiefel, die der Vergangenheit angehören. Hoffen auf friedliche Zeiten also, denen wir ungeschützt entgegengehen: ,,Bleib erschütterbar und widersteh'', schrieb Peter Rühmkopf in einem seiner Gedichte.
Die junge Autorin Cornelia Eichner aus Zwickau begibt sich mit ihrer Schreibarbeit an eine Schwelle, die durch Mattheur und Rühmkopf vorgezeichnet ist.
Verletzungen aus dem Alltag, Leibes- und Liebesverletzungen, werden von Cornelia Eichner aufgenommen und in sensiblen Bildern, die sich einprägen, klar und einfach gestaltet. Oft ist bitternis zu spüren. Die Wunden sind frisch. Ein Schmerz, der sich unmittelbar ausdrückt. Aber auch schöne Bilder tun sich auf: ,,Das Verglühen des Sommers nährt mit seiner Asche das kommende Jahr'' (,,August''). Die kurzen Gedichte sind fast Epigramme. Ein anderer Vers beschwört Liebe in der verrückten ,,Spaßgesellschaft'' als ,,Bungee Jumping ohne Seil'', dazu das intuitive Wissen, fliegen zu können, wie Kinder es träumen. Ein Abschied auf einem verregneten Bahnsteig macht dem, der zurückbleibt bewußt, daß er bereits angekommen ist. Ein Mann. Eine Frau. Die Beziehungen tragen noch nicht. So könnte man aus jedem Gedicht eine Sentenz herauslesen und eine Erkenntnis gewinnen, die nach Ursachen von Verletzungen sucht, um sie durch die Magie der Worte zu bannen. Cornelia Eichner steht mit ihren Gedichten am Beginn eines Weges, den sie mit Mut zur Sprache und mit der Kraft, Alltagsbilder zu gestalten, auf sich nimmt. Der Auswahlband macht neugierig auf Entdeckungen: ,,Beständig ist das leicht Verletzliche'', sagt ein Vers von Oskar Loerke.
Solange wir verletzlich bleiben, können wir bestehen.
Cornelia Eichner wagt Grenzgänge, die ans Innere rühren.'' (Erlangen 11.02.2000)




Auszug:

Abschied

Nur selten
warfen unsere Gläser
lange Schatten.
Doch der Wein darin
war alt und gut.

Heute stellen wir
die Gläser in den Schrank
und ich flechte mir
Tränen ins Haar.






Cornelia Eichner
Geboren 1972 in Zwickau, dort lebend, schreibend, arbeitend, studierend.
Sozialarbeiterin, Journalistin, Dozentin.
Studium der Erziehungswissenschaft, neueren deutschen Literatur, Philosophie sowie der Kommunikations- und Informationstechnik.
1993 Preisträgerin bein einem regionalen Literaturwettbewerb.
Zahlreiche Lesungen sowie Veröffentlichungen in Zeitungen und Anthologien.
Schreibt Lyrik, Erzählungen, Kindergeschichten. Ebenfalls im Geest-Verlag erschienen: ,,und flechte mir Tränen ins Haar'' und ,,Tränen - eine Anthologie''.

Kerstin Adler
Geboren 1979 in Zwickau, dort sowie in Freiburg lebend und wirkend. ,,Sei im Geiste, wie der Fisch sich im Wasser manövriert.'' Weitere Illustrationen im Geest-Verlag: ,,Und was ist mit Liebe. 13 Episoden aus dem Leben der Annasofie'' sowie ,,Der Sammler''.


16,80 DM

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