Berner Büchwochen: Leselust im Autohaus (NWZ-Bericht)

BERNER BÜCHERWOCHEN Spaßige und ernste Aspekte zum Thema „Unterwegs“

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Leselust im Autohaus erlebten Mert Aydin, Bärbel Rädisch, Sigrid Mertens, Renate Hedemann und Chiara Hähner. Bild vergrößern

ZUHÖRER ERLEBEN EINEN UNTERHALTSAMEN ABEND ZWISCHEN GLÄNZENDEN NEUWAGEN. AUCH JUNGE AUTOREN KAMEN ZU WORT.

VON RENATE DETJE

BERNE - Eine
Autorenlesung in einem Autohaus, das mutet auf dem ersten Blick
merkwürdig an. Doch da das Thema der Berner Bücherwochen an diesem
dritten Lesungsabend „Unterwegs“ lautet, kann man sich kaum einen
besseren Ort vorstellen. Zwischen lackglänzenden Karossen sitzen die
rund 50 Zuhörer im Autohaus Lampe und jeder mag seine eigene
Vorstellung vom unterwegs sein haben.

Der Beitrag von Dr. Marc Neufeld aus Schaffhausen in der Schweiz,
dessen Text die Lesepaten Reinhard Rakow und Rene Jonker lasen, ist mit
„Lauschangriff im Stau“ betitelt. Worüber unterhalten sich Reisende im
Auto, wenn sie im Stau stehen? Eine humorvoll frotzelnde, sinnig bis
widersinnige Dialoggeschichte in unkonventioneller Form, die beim
Publikum gut ankam.

Unterwegs sind Flüchtlinge in einem Boot in der Geschichte von
Sigrid Mertens aus Oldenburg. Getrieben von Unsicherheit, Angst und
Halluzinationen fahren sie über die Straße von Sizilien und erreichen
nach einer Irrfahrt die Pelagische Insel Lampedusa. Der Thematik
Westdeutschland/Ostdeutschland zur Zeit der Mauer hat sich Bärbel
Rädisch aus Asendorf angenommen. Eindrucksvoll schildert sie die Zeit
des kalten Krieges, des „Plusquamperfekts im Lauf der Weltgeschichte“.
Bevor Renate Hedemann aus Großheide las, rezitierten Ulrike
Wieters-Wilcke und Reinhard Rakow Gedichte aus der zu den Berner
Bücherwochen erschienenen Anthologie „Zwischenzeiten“.

Nina Steiner ist die Protagonistin in Renate Hedemanns
Kurzkrimi „Rosalindes Haus“. Nach einem unerwartetem Halt ihres Zuges,
kehrt Nina durch Zufall in ein einsam gelegenes Gasthaus ein und trifft
dort auf einen fremden Mann. Renate Hedemann versteht es in ihrer
Geschichte die Spannung anhaltend zu steigern und der Zuhörer fühlt
sich, wie Nina, mal wohl, doch dann auch eher unwohl bei dem Aufenthalt
in Rosalindes Haus.

Auch bei der dritten Autorenlesung kam zunächst die Jugend zu Wort. Aus
der Kinderanthologie „Heute ist meine Zeit“ lasen Mert Aydin und Chiara
Hähner ihre Geschichten. Während Mert aus einem Traum über eine
„verrückte Schule“ erwacht, stellt sich Chiara vor, wie es ist, wenn
sie „Königin von Deutschland“ wäre. Ein abwechslungsreicher Leseabend,
der beim Publikum gut ankam und Lust auf mehr Zuhören macht.

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